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Velociraptor war eine Gattung kleiner Theropoden aus der Familie der Dromaeosaurier (Dromaeosauridae) aus der späten Kreidezeit.


Beschreibung

Velociraptor war ein mittelgroßer Dromaeosaurier und ist durch zahlreiche Funde vor allem aus China gut belegt. Er erreichte eine Kopf-Rumpf-Länge von durchschnittlich 1,80 m und wog schätzungsweise 15 kg. Wie bei allen Dromaeosauriern war die Kralle der zweiten Zehe stark vergrößert und sichelförmig. Beim Laufen wurde die Zehe vermutlich nach oben geklappt, um die Klaue stets scharf zu halten. Die erste Zehe war stark reduziert, die dritte und vierte Zehe wurden zum Laufen benutzt. Die Vordergliedmaße ähnelte sehr denen von Vögeln endete in drei Fingern, wobei der zweite der Längste war. Wie bei modernen Vögeln machten Form und Anordnung der Handwurzelknochen es Velociraptor nicht möglich, die Hände zu pronieren[1], er hielt sie deshalb wie einen Vogelflügel mit der Handinnenfläche zum Körper nach innen zeigend.

Der Schwanz war durch verknöcherte Sehnen und verlängerte Chevron-Knochen in seiner Bewegung stark eingeschränkt und versteift. Er diente vermutlich zum Halten der Balance beim Laufen mit hohen Geschwindigkeiten[2].

Von anderen Dromaeosauriern unterschied Velociraptor sich vor allem durch den Bau des Schädels. Die Schnauze war besonders lang und schmal und krokodilartig nach oben gebogen. Velociraptor besaß nach vorne gerichtete Augen, die ihm ein räumliches Sehen ermöglichten, dass etwa dem rezenter Eulen entspricht.

Lange Zeit wurde darüber spekuliert, ob Velociraptor gefiedert war oder nicht. Hinweise darauf gab es schon lange, da verwandte Dromaeosaurier-Fossilien in China entdeckt wurden, die sehr deutliche Abdrücke von Federn zeigten. Trotzdem gelang es erst 2007, auf einem Velociraptor zugeschriebenen Vorderarmknochen Ansatzstellen für Federkiele nachzuweisen[3]. Somit ist bewiesen, dass Velociraptor (wie vermutlich alle Dromaeosaurier) ein Federkleid besaß. Fliegen konnte Velociraptor damit jedoch nicht. Die genaue Funktion der Federn ist jedoch unbekannt.

Systematik

Die systematische Stellung von Velociraptor änderte sich im Laufe der Erforschungsgeschichte immer wieder. Bei der Erstbeschreibung erfolgte noch eine Zuordnung zur Familie der Megalosaurier (Megalosauridae). Inzwischen wird die Gattung in die Familie der Dromaeosauridae gestellt. Dort wird Velociraptor in die Unterfamilie der Velociraptorinae gestellt. Aktuell werden 2 Arten anerkannt: die Typusart Velociraptor mongoliensis und Velociraptor osmolskae. Die folgende Übersicht gibt die systematische Eingruppierung der Gattung wieder:

Vor allem in älterer Literatur werden darüber hinaus die Arten anderer Dromaeosaurier-Gattungen in die Gattung Velociraptor gestellt, etwa Deinonychus antirrhopus als Velociraptor antirrhopus. Diese Systematik ist jedoch veraltet und wird so nicht mehr vorgenommen. Die nächsten Verwandten von Velociraptor sind vermutlich Itemirus[4] oder Balaur[5].

Lebensweise und Physiologie

Ernährung

Velociraptor besaß in jedem Kieferquadranten zwischen 26 und 28 Zähne, die nach hinten gekrümmt und an ihren Schneiden gesägt waren. Die Zähne waren im vorderen Kieferabschnitt und im hinteren Bereich etwas kleiner, im mittleren -wo die Kiefermuskulatur den größten Druck ausüben konnte- etwas größer und lassen darauf schließen, dass Velociraptor sich vor allem carnivor ernährte. Velociraptor dürfte sich vor allem von kleineren, schnellen Wirbeltieren ernährt haben. Vermutlich gehörten aber auch größere Beutetiere zu seinem Nahrungsspektrum. In der Mongolei wurde ein Fossil eines Velociraptors entdeckt, der in einen Kampf mit einem zeitgleich in der selben Region lebenden Protoceratops verwickelt war[2]. Dies lässt die Vermutung aufkommen, dass Velociraptor auch Protoceratops jagte. Bewiesen ist dies jedoch nicht. Einem solchen "Kampf" können auch andere Erklärungen zugrunde liegen. Ein weiterer Fund, ebenfalls ein Protoceratops, beweist, dass Velociraptor zumindest gelegentlich ein Aasfresser gewesen ist[6]. Ob die Tiere Protoceratops aber aktiv gejagt haben, ist weiterhin offen.

Biomechanische Untersuchungen legen nahe, dass Velociraptor Spitzengeschwindigkeiten von rund 40 Kilometern je Stunde[7] erreichen konnte. Velociraptor war also ein agiler, flinker Jäger, der selbst flinken Beutetieren nachstellen konnte.

Immer wieder wurde darüber spekuliert, ob und, wenn ja, wie Velociraptor beim Beuteerwerb seine sichelförmigen Klauen der zweiten Zehe einsetzte. Vor allem in der Populärkultur wird oft behauptet, die Krallen seien dazu benutzt worden, um die verletzliche Bauchseite von Beutetieren aufzuschlitzen. Biomechanische Untersuchungen zeigen jedoch, dass die Kralle hierfür zu schwach war. Die Kralle könnte jedoch als Steigeisen beim Klettern gedient haben[8][9]. Auch erscheint es als möglich, dass die Klaue dazu benutzt wurde, große Blutgefäße zu durchstoßen und somit ein schnelles Ausbluten der Beute zu ermöglichen[10].

Einzelgänger oder Rudeltier?

Oft wird behauptet, Velociraptor habe ähnlich wie Löwen oder Wölfe in Rudeln gelebt und gejagt. In Nordamerika wurden neben einem Fossil eines Tenontosaurus die Überreste von 5 mit Velociraptor eng verwandten Deinonychus entdeckt. was den Schluss nahe legt, dass Deinonychus in Gruppen jagte[11]. Obwohl ein solcher Nachweis für Velociraptor bislang noch aussteht -bislang wurden nur Einzelexemplare entdeckt- ist es zumindest möglich, dass auch Velociraptor in Gruppen agierte. Von einigen Forschern wird jedoch bezweifelt, dass der Fund in Nordamerika tatsächlich ein Beweis für eine Jagd im Rudel sei[12].

Wärmehaushalt

Unbeendet ist weiterhin die Debatte um den Wärmehaushalt der Dinosaurier. Während man ursprünglich annah,, Dinosaurier seien wie heutige Echsen, Schlangen und Krokodile Kaltblüter und nicht imstande gewesen, ihren Wärmehaushalt aktiv zu regulieren, befürwortet die Mehrheit der Paläontologen heute die Theorie, dass der Stoffwechsel der Dinosaurier jenen von Vögeln ähnelte und Dinosaurier Warmblüter waren.

Tatsächlich lässt sich eine endgültige und allumfassende Beurteilung nicht treffen. Vielmehr muss die Frage nach der Stoffwechselaktivität und dem Wärmehaushalt für jede Gruppe neu getroffen werden. Für große Sauropoden erscheint eine Endothermie (also das Erzeugen von Körperwärme durch innere Stoffwechselprozesse) nicht sehr wahrscheinlich, da ihre großen Körper ohnehin nicht stark auskühlten und die Erzeugung innerer Wärme sogar Überhitzungen bedingen konnte. Viele anatomische Merkmale und Ähnlichkeiten mit heutigen Vögeln sprechen dafür, dass die Stoffwechselrate der Dromaeosaurier eher der von Warmblütern glich[13]. Mit gröoßer Wahrscheinlichkeit war Velociraptor daher in der Lage, seine Körpertemperatur aktiv zu regulieren und durch eigene Stoffwechselprozesse Wärme zu erzeugen. Dafür spricht auch das Vorhandensein eines isolierenden Federkleides. Allerdings deuten Analysen des Knochenwachstums darauf hin, dass die Stoffwechselrate nicht die Effizienz rezenter Säugetiere oder Vögel erreichte[1].

Nutzen der Federn

Da inzwischen eine Befiederung bei Velociraptor bewiesen ist, stellt sich die Frage, wozu sie dienten. Einige kleinere Dromaeosaurier wie Microraptor waren mit ihren Federn in der Lage, Gleitflüge zu absolvieren. Dank ihrer Krallen und der Steigzehen waren Dromaeosaurier geschickte Kletterer[8], die vermutlich einen Großteil ihres Lebens in Bäumen verbrachten. Gleiten von Baum zu Baum stellt eine effektive Form der Fortbewegung dar, jedoch war Velociraptor für Gleitflüge vermutlich zu schwer.

Stattdessen hätten die Federn Velociraptor beim Laufen, insbesondere bei schnellen RIchtungswechseln, als Steuerfedern dienlich sein können. Möglich ist auch, dass sie beim Rennen einen gewissen Auftrieb und somit einen Geschwindigkeitsvorteil brachten.

Ähnlich wie ein Daunenkleid könnten die Federn darüber hinaus vor allem der Isolation gedient haben. Velociraptor lebte vermutlich in wüstenartigen Gebieten, in denen in der Nacht die Temperaturen stark abfallen konnten. Ein Federkleid half dabei, Körperwärme zu halten und schützte so vor dem Erfrieren. Möglich ist auch, dass die Federn beim Brüten eingesetzt wurden, um die Eier warm zu halten[3].

Die Federn könnten außerdem der Kommunikation gedient haben. Möglicherweise waren sie bunt gefärbt, um damit um Sexualpartner zu balzen[3] oder sie dienten der Abschreckung von Feinden, indem sie eine Warntracht oder Augenmuster zierte. Vielleicht, sollte die Theorie des Rudellebens zutreffen, dienten sie auch zur Erkennung und zur Festlegung der Rangfolge.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Gregory S. Paul: Dinosaurs of the Air. The Evolution and Loss of Flight in Dinosaurs and Birds. Johns Hopkins University Press, Baltimore MD u. a. 2002, ISBN 978-0-8018-6763-7
  2. 2,0 2,1 http://paleoglot.org/files/Barsbold_83.pdf (abgerufen am 10.05.2016)
  3. 3,0 3,1 3,2 http://science.sciencemag.org/content/317/5845/1721 (abgerufen am 10.05.2016)
  4. http://www.pnas.org/content/106/13/5002 (abgerufen am 10.05.2016)
  5. http://www.pnas.org/content/107/35/15357 (abgerufen am 10.05.2016)
  6. http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0031018210001562 (abgerufen am 11.05.2016)
  7. http://rspb.royalsocietypublishing.org/content/274/1626/2711 (abgerufen am 10.05.2016)
  8. 8,0 8,1 http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ar.20986/abstract;jsessionid=054D4EE8E4B058871362682FE9E9F34A.f02t02?systemMessage=Wiley+Online+Library+will+be+unavailable+on+Saturday+14th+May+11%3A00-14%3A00+BST+%2F+06%3A00-09%3A00+EDT+%2F+18%3A00-21%3A00+SGT+for+essential+maintenance.Apologies+for+the+inconvenience. (abgerufen am 10.05.2016)
  9. http://rsbl.royalsocietypublishing.org/content/2/1/110 (abgerufen am 10.05.2016)
  10. Ken Carpenter: Evidence of predatory behavior by theropod dinosaurs. In: Gaia. Revista de Geociências. Bd. 15, 1998, ISSN 0871-5424, S. 135 ff.
  11. http://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/02724634.1995.10011256#.VzN4TXovnOU (abgerufen am 10.05.2016)
  12. http://www.arca.museus.ul.pt/ArcaSite/obj/gaia/MNHNL-0000778-MG-DOC-web.PDF (abgerufen am 10.05.2016)
  13. http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/annotation/635e46fc-4be3-4f42-ad5c-ee3a276cd24f (abgerufen am 10.05.2016)
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